THE STORY SO FAR – von Leslie Mandoki

Gemeinsam mit meinem Freund aus Konservatoriumszeiten Laszlo Bencker und dem jungen Trickfilm-Zeichner Gabor Csupo gelang mir 1975 die Flucht aus der Diktatur in die Freiheit. Gabor ging nach Hollywood, baute dort eines der größten Zeichentrickfilmstudios auf und gestaltete Welterfolge wie The Simpsons, The Rugrats, Duckman oder The Real Monsters. Mit Laszlo spielen wir immer noch zusammen. Den Idealismus unserer Teenagertage, die Träume und Visionen, die Musik und Kunst haben wir in unseren Herzen mitgenommen und fühlen uns bis heute verpflichtet, diese auch zu leben. Mehr als je zuvor empfinde ich tiefe Dankbarkeit, in Deutschland eine neue Heimat gefunden und das Glück zu haben, durch die Musik meine Teenagerträume leben zu dürfen und Realität werden zu lassen. Die Entscheidung, in Deutschland zu bleiben, war rein emotionaler Natur, denn durch die Freundlichkeit der ersten Begegnungen hatte ich das Land, die Kultur und die Menschen schnell in mein Herz geschlossen.

Natürlich spielte ich als Musiker inhaltlich nicht immer das, wonach mein Künstlerherz strebte. Aber auch die Zeit als “Popstar” hatte ihr Gutes, brachte lehrreiche Begegnungen, verschloss einige Türen und öffnete andere und so entstanden auch Freundschaften fürs Leben.

Ich hatte das große Privileg, als Songschreiber und Produzent das Vertrauen herausragender Künstler zu genießen. So schrieb ich z.B. anfangs Songs für Amii Stewart und dann für Jennifer Rush, die ich auch produzierte, schuf mit Joshua Kadison ein wunderbares “Americana”-Album und hatte die Ehre, mit Lionel Richie zu komponieren und zu produzieren. Die Arbeit mit Chaka Khan oder den Temptations führte mich in die emotionale Welt von Motown, mit den Musikern von Toto in den Rock und mit den Brecker Brothers und Al Di Meola in den Jazz, um nur einige Beispiele zu nennen.

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So schön es ist, mit erfolgreichen Künstlern zu arbeiten, die Königsdisziplin bleibt die erfolgreiche Gestaltung von Debütalben. Ich bin sehr froh, dass uns in diesem Bereich auch einige Treffer gelungen sind, wie etwa das 6-fach Platin-Debütalbum der No Angels.

Unsere Studios, ein Traum für jeden Musiker, in denen wir unsere Visionen ohne technische Limits umsetzen können, sind nicht nur Kreativtempel für die Musikbranche, sondern auch für die Filmindustrie von Bayern bis Hollywood. Neben dem Titelsong für den erfolgreichsten TV-Export Deutschlands bin ich besonders dankbar für die vielen spannenden und ambitionierten Kino-Produktionen als Musical Director für Disney von “Mulan” über “Atlantis” bis hin zur Arbeit mit Phil Collins am Grammy- und Oscarprämierten “Tarzan” und “Bärenbrüder” oder auch Elton John’s “Road To El Dorado” für Dreamworks.

Der kreative Geist der 1970er, als Künstler neben musikalischer Virtuosität nach uneingeschränkter Individualität und Freiheit strebten, hatte in mir eine lebenslange Leidenschaft für gesellschaftspolitisch relevante Musik mit künstlerischem Anspruch entfacht. Als mir nach unserer abenteuerlichen Flucht im Zentrallager für Asylbewerber die Frage gestellt wurde, was ich denn hier machen möchte, antwortete ich, dass ich in den Westen gekommen sei, um mit meinen Idolen und musikalischen Heroes wie z.B. Ian Anderson von Jethro Tull und Jack Bruce von Cream gemeinsam zu musizieren. Mit dem Projekt „ManDoki Soulmates“ konnte ich mir diesen Traum erfüllen. Dieses Jahr feiern wir unser 20-jähriges Jubiläum. Seit inzwischen 10 Alben spielen wir gemeinsam mit legendenbildenden Ikonen des Jazz und Rock unsere Songs, worüber auch viele intensive Freundschaften entstanden sind. Von Zeit zu Zeit kommen wir hier im Studio am Starnberger See zusammen, wohnen und essen zusammen und lassen gemeinsam neue Musik entstehen – wie in einer Hippie-Kommune. Jack Bruce bemerkte irgendwann richtig, „when we get together, we become a band“.

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Wir spielten zahllose Konzerte, bei denen sich auch viele einflussreiche Künstler wie Robin Gibb (Bee Gees), Roger Hodgson (Supertramp), Jon Lord (Deep Purple), Chris de Burgh, Mick Hucknall (Simply Red) oder Peter Frampton zu uns gesellten. So konnte ich auch für die beiden TV-Sendungen “50 Jahre Rock” regelrechte “Supergroups” zusammenstellen.

Aber nicht nur in Amerika und England fanden wir unsere “Soulmates”, sondern auch in unserer Heimat Deutschland. Vom deutschen Stern am internationalen Jazz-Trompeterhimmel Till Brönner über Crossover-Genius David Garrett bis zu Deutschrock-Ikone und Panikrocker Udo Lindenberg. Mit Peter Maffay verbindet mich nicht nur die musikalische Zusammenarbeit und die unmittelbare Nachbarschaft, sondern auch eine tiefe Freundschaft.

Als besondere Erfüllung empfinde ich auch den Brückenschlag zwischen der Musik und anderen Bereichen unserer Gesellschaft, bei dem wir mit unserer Musik Bewegungen emotionalisieren können. So erlebe ich heute in unserer musikalischen Umgebung wertvolle und intensive Begegnungen mit Gestaltern, Meinungsbildnern und Entscheidern, mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Medien und Kunst. Vor meinem ganz persönlichen Hintergrund sind mir dabei die vielen intensiven Begegnungen mit Michail S. Gorbatschow besonders in Erinnerung.

Speziell in der Volkswagen- und Audi-Familie kann ich meine Kreativität ausleben und es ist mir eine Ehre, Ingenieurskunst musikalisch emotionalisieren zu dürfen. Zu meinen persönlichen Highlights gehören unter anderem die Sinfonie, die wir anlässlich des Jubiläums “100 Jahre Audi” gestalten durften sowie eines der wichtigsten Konzerte meines Lebens in der Wolfsburger-Volkswagen-Arena zu “25 Millionen Golf”, ein rock-sinfonisches Spektakel mit 16 Weltstars.

Ein ganz besonderes Projekt war für mich auch die „Musik-Bibel“, die Vertonung der biblischen Geschichten auf 24 CDs, gelesen von bedeutenden Schauspielern wie Suzanne von Borsody, Jan Josef Liefers, Friedrich von Thun, Michael Mendl, Christine Neubauer, Ulrich Tukur u.v.m. Viel Freude bereitet mir auch die Kooperation mit Karl-Heinz Rummenigge, aus der auch die Produktion des aktuellen FC-Bayern Albums „Stimmen des Südens“ von Fans für Fans resultiert.

Für einen Künstler wie mich, der während der Zeit der Diktatur politisch verfolgt wurde, ist es eine besondere Ehre, bereits zum wiederholten Male die Bundestags-Wahlkampagne für Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel musikalisch gestalten zu können.

Ich war 16 Jahre alt, als mein Vater seinen Kampf gegen den Krebs verlor. Ich hatte ihm versprochen, dass seine Enkelkinder, die er nie kennenlernen würde, keine zensierten Zeitungen lesen müssen. Und er gab mir mit auf den Weg: „Lebe deine Träume und träume nicht dein Leben!“

Entsprechend schloss sich nun in ganz besonderer Weise ein Kreis, als ich nach all den Jahren in meiner Geburtsstadt Budapest im Palast der Künste mit meinen Soulmates unser Jubiläumskonzert geben durfte. Gemeinsam mit Musiker-Legenden wie Jack Bruce und Al Di Meola auf der Bühne zu stehen, von dieser Vision hatte ich schon im Zentrallager für Asylbewerber 1975 kurz nach unserer Flucht erzählt. Damals erntete ich nur verwundertes Schmunzeln – heute ist es längst Realität.

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Wenn z.B. Steve Lukather und Al Di Meola sagen, ich wäre der „ungarische Quincy Jones“ oder Jack Bruce mich mit Duke Ellington vergleicht und mein lieber Freund Ian Anderson über mich sagt, ich sei der „Chef-Koch in der Musik-Küche“, dann berühren mich all die Statements meiner Musikerkollegen zutiefst. Aber es geht nicht um mich und auch nicht einmal um uns. Es geht um die Musik. Den eigentlichen Kern trifft Greg Lake, wenn er bei unserem Jubiläumskonzert sagt: „Was so großartig an der Sache ist, ist das Zusammenwirken wirklich großer Musiker, die sich untereinander verstehen. Wir verständigen uns über die Musik; das ist die Schönheit des Ganzen. Heraus kommt Musik, die von einer der besten Bands der Welt gespielt wird. Wir spielen aus Liebe zur Musik und diese Liebe ist im Raum. Das ist es, was wir hier alle fühlen. Ganz plötzlich passiert es – eine ungeheuerliche Energie und Gefühle, die aus uns herausbrechen und mit den Menschen kommunizieren. Das ist es, was Musik bewirkt.“

Ja, das ist aus meiner Sicht das Wunderbare. Hier geht es nicht um den Einzelnen, sondern um die Musik und um die Menschen, die sie uns möglich machen, die mit offenem Herz zu uns kommen, die uns in ihre Seele einladen und in unsere Seele schauen wollen. Das ist das wahrhaftige Privileg, das uns unser Publikum schenkt. Wir versuchen, mit unserer Musik dafür „Danke“ zu sagen.


Over the past 20 years we have had the honour and privilege to share the stage and greatest time during our studio sessions with all these blessed musicians.

LESLIE MANDOKI – vocals, drums & percussion
LASZLO BENCKER – keyboards
with
CHRIS THOMPSON – vocals
BOBBY KIMBALL – vocals
CHAKA KHAN – vocals
IAN ANDERSON – vocals & flute
GREG LAKE – vocals & guitars
PETER MAFFAY – vocals & guitars
JACK BRUCE – vocals & bass
NICK VAN EEDE – vocals & guitars
DAVID CLAYTON-THOMAS – vocals
ERIC BURDON – vocals
NIK KERSHAW – vocals & guitars
PETER FRAMPTON – vocals & guitars
AL DI MEOLA – guitars
STEVE LUKATHER – guitars
MIKE STERN – guitars
STEVE KHAN – guitars
RANDY BRECKER – trumpet & flugelhorn
MICHAEL BRECKER – tenor saxophone
BILL EVANS – tenor & soprano sax
JOHN HELLIWELL – saxophones & clarinet
TILL BRÖNNER – trumpet
VICTOR BAILEY – bass
ANTHONY JACKSON – bass
PINO PALLADINO – bass
JON LORD – hammond
and with
UDO LINDENBERG – vocals
MIDGE URE – vocals & guitars
ROBIN GIBB – vocals
DAVID GARRETT – violin


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